KI-Sichtbarkeit für Apotheken: Was ein Praxistest in Düren tatsächlich zeigt
Wie sichtbar ist eine Apotheke, wenn Patienten heute ChatGPT, Perplexity oder Google AI fragen? Wir haben es offen getestet – mit unseren eigenen MAXMO Apotheken in Düren. Das Ergebnis ist eindeutig: Klassische SEO reicht nicht mehr. Und der eigentliche Engpass liegt woanders, als die meisten Apothekenleitungen denken.
Auf einen Blick
- 18 Tests, drei Plattformen, sechs strategische Fragen. Getestet mit den MAXMO Apotheken StadtCenter und Kaufland Düren auf ChatGPT, Perplexity und Google.
- ChatGPT ist der Apotheke deutlich näher als Perplexity. Dieselbe Frage liefert auf einer Plattform eine echte Empfehlung, auf der anderen nur Google-Sterne und Öffnungszeiten.
- Google AI Overviews wurden bei keiner Frage ausgelöst. Bei lokalen Apotheken-Suchen vertraut Google noch dem klassischen SERP. Das ändert sich.
- Eine zentrale Lücke betrifft die wertvollsten Services. Hochmargige Spezialleistungen tauchten in keiner KI-Antwort auf – obwohl sie auf der Website existieren.
- Zwölf konkrete Maßnahmen am Ende des Artikels. Priorisiert, umsetzbar, ohne Marketing-Buzzwords.
Es gibt einen Satz, den ich in den letzten Monaten von Apothekenleitungen immer wieder höre. Er klingt ungefähr so: „Wir haben das mit Google im Griff. Vier-Komma-acht Sterne, gepflegtes Profil, alle Öffnungszeiten korrekt." Und dann folgt der Satz, der eigentlich die Lage zeigt: „Was sollen wir denn bei diesem ganzen KI-Kram noch machen?"
Genau diese Haltung war auch mein Ausgangspunkt für diesen Test. Wir betreiben mit MAXMO zwei Apotheken in Düren – eine im StadtCenter, eine im Kaufland. Beide haben in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in digitale und pharmazeutische Spezialservices bekommen. Medizinisches Cannabis. DNA-Analysen. Laborgestützte Blutuntersuchungen. 24/7-Onlineberatung über FRAG DIE APOTHEKE. Botendienst. Lange Öffnungszeiten. Auf den ersten Blick: eine Apotheke, die in der modernen Suchwelt sichtbar sein müsste.
Wir haben es überprüft. Offen, methodisch, ohne uns selbst etwas vorzumachen. Und das Ergebnis hat mich überrascht.
Was wir getestet haben
Wir haben sechs strategische Fragen formuliert, die ein Patient in Düren plausibel stellen könnte – von ganz generisch („Welche Apotheken gibt es in Düren?") bis spezifisch („Wo bekomme ich medizinisches Cannabis auf Rezept in Düren?"). Jede Frage haben wir auf drei Plattformen gestellt: ChatGPT, Perplexity und Google. Für jede Antwort haben wir dokumentiert: Wird MAXMO erwähnt? Wenn ja, wie prominent? Welche Konkurrenten tauchen auf? Welche Quellen zitiert die KI?
Das ergibt 18 saubere Datenpunkte. Nicht repräsentativ für ganz Deutschland – aber repräsentativ für die Frage „Wie sichtbar ist eine konkrete Apotheke heute eigentlich?"
Die Ergebnisse pro Plattform
Plattform 1
ChatGPT: Versteht die Apotheke am besten
5 von 6 Antworten prominent
Auf ChatGPT erschien MAXMO bei fünf von sechs Fragen prominent – meist auf Position eins oder zwei der Antwort, mit eigener Beschreibung. Besonders interessant: ChatGPT erkannte sogar die Verbindung zu FRAG DIE APOTHEKE und nannte die 24/7-Onlineberatung als eigenständigen Service.
Das beeindruckendste Ergebnis kam bei der Frage „Welche Apotheke in Düren bietet besondere Services?". ChatGPT erstellte eine ganze Kategorisierung des Dürener Apothekenmarktes und ordnete MAXMO als alleinigen Anbieter im Cluster „Digitale Services und WhatsApp" zu. Eine Monopolpositionierung, die man sich nicht besser hätte ausdenken können.
Die Schwächen waren aber genauso eindeutig. Bei der Frage „Was bietet MAXMO an?" listete ChatGPT acht Leistungen – die DNA-Analyse fehlte komplett. Und beim Thema medizinisches Cannabis wurde MAXMO zwar genannt, aber mit dem entsprechend generischen Satz: „Kann Cannabisrezepte grundsätzlich beliefern bzw. bestellen, wenn ein gültiges Rezept vorliegt." Das klingt wie jede normale Apotheke. Die Spezialisten-Positionierung gehört im Raum Düren-Aachen bisher Eifel-Gras in Stolberg.
Plattform 2
Perplexity: Höhere Erwähnungsquote, schwächere Qualität
5 von 6 Antworten – aber nur 2 prominent
Perplexity hat MAXMO ebenfalls in fünf von sechs Fragen genannt. Aber die Qualität dieser Nennungen ist eine andere Geschichte. Bei „Welche Apotheke in Düren bietet besondere Services?" zog Perplexity für MAXMO ausschließlich Google-My-Business-Attribute: barrierefreier Zugang, LGBTQ+-freundlich, Unterstützung in anderen Sprachen, Abholung im Geschäft.
Das sind ehrenwerte Eigenschaften. Aber sie sind nicht das, was MAXMO als Apotheke ausmacht. Während Perplexity für unsere Apotheke nur die Standard-Metadaten ausspuckte, beschrieb es die Linden Apotheke am Krankenhaus Düren mit allen pharmazeutischen Dienstleistungen, Botendienst, Medikationsanalyse und Inhalationsschulung – also genau das, was eigentlich auf einer Apotheken-Website stehen sollte.
Der Grund ist nüchtern: Perplexity findet auf der Website der Linden Apotheke offenbar strukturierte, eindeutige Beschreibungen ihrer Leistungen. Bei MAXMO greift das System hilfsweise auf Google-Profil-Daten zurück. Genau das war für mich der Aha-Moment.
Noch ein Punkt war auffällig: Bei der Cannabis-Frage gibt Perplexity eine im Textantworten gute Empfehlung – „vor allem die MAXMO Apotheke in Düren" – aber die optisch dominanten Orts-Karten am oberen Bildrand zeigen vier andere Apotheken, alle außerhalb Dürens. Cannibo Bonn. Cannabis Apotheke Rheinland in Bad Neuenahr. Eifel-Gras in Stolberg. Wer schnell scrollt, sieht uns gar nicht.
Plattform 3
Google: Kein AI Overview – noch nicht
0 AI Overviews ausgelöst von 6 Fragen
Das war das vielleicht überraschendste Ergebnis: Bei keiner unserer sechs Fragen löste Google einen AI Overview aus. Wir bekamen klassische SERP-Antworten – Maps-Block, Featured Snippet, organische Ergebnisse. Bei lokalen Apotheken-Suchen scheint Google die KI-Antworten noch nicht zu aktivieren.
Klingt erstmal entspannend für Apotheken. Ist es aber nicht. Die internationale Beobachtung ist eindeutig: AI Overviews werden Schritt für Schritt für mehr Querythypen ausgespielt. Lokale Health-Suchen sind eines der nächsten naheliegenden Felder. Wir wissen nur nicht, ob das in sechs Monaten passiert oder in zwölf.
Solange klassische SEO funktioniert, profitierte MAXMO bei einigen Fragen deutlich: Position eins bei „medizinisches Cannabis in Düren" über eine eigene Landingpage, Featured Snippet beim Markenrecherche-Query, prominente Maps-Karten. Aber bei der generischen Frage „Welche Apotheke in Düren bietet besondere Services?" landete MAXMO erst auf Position neun. Genau die Frage, bei der ChatGPT MAXMO zur Kategorie machte. Das ist nicht widersprüchlich. Das ist exakt das Plattform-Asymmetrie-Problem.
Die fünf Kern-Erkenntnisse
1. Plattform-Asymmetrie ist messbar und groß
Es gibt nicht „die Sichtbarkeit". Es gibt die Sichtbarkeit auf ChatGPT, auf Perplexity, auf Google. Diese Plattformen ziehen ihre Antworten aus unterschiedlichen Quellen, gewichten unterschiedlich, bewerten unterschiedlich. Eine Apotheke kann morgen in ChatGPT prominent erwähnt sein und in Perplexity nur als Google-Profil auftauchen. Das ist kein Bug. Das ist die Architektur.
2. Klassische SEO wirkt – aber nicht mehr für alles
Bei Marken-Suchen und ganz spezifischen Service-Fragen funktioniert klassische SEO sehr gut. Position eins bei „medizinisches Cannabis in Düren" zeigt das. Aber bei strategischen, vergleichenden oder beratenden Fragen sind KI-Systeme die neuen Gatekeeper – und die schauen woanders hin.
3. Strukturierter Content schlägt SEO-Text
Die Linden Apotheke am Krankenhaus hat in Perplexity eine erkennbar bessere Service-Sichtbarkeit als MAXMO – nicht weil sie mehr Leistungen anbietet, sondern weil sie ihre Leistungen klarer und strukturierter dokumentiert. Das ist eine Lektion, die jede Apotheke übernehmen muss. KI-Systeme bevorzugen eindeutige Listen, FAQ-Strukturen, klare Service-Beschreibungen. Sie sind schlecht darin, aus Marketingtexten zu extrahieren, was eine Apotheke wirklich kann.
4. Spezialisten-Sprache gewinnt gegen Generalisten-Sprache
Bei der Cannabis-Frage hat Eifel-Gras im KI-Ergebnis eine bessere Positionierung als MAXMO. Nicht weil die mehr Patienten behandeln. Sondern weil ihr Content klar als Spezialist formuliert ist. „Spezialisierter Anbieter mit Fokus auf medizinisches Cannabis." Das ist die Sprache, die die KI dann übernimmt. Wer als generelle Apotheke „auch Cannabis anbietet", verliert gegen jemanden, der sich klar positioniert.
5. Bundesweite Kategorien sind dominiert
Bei „Beste digitale Apotheken in Deutschland" landeten weder MAXMO noch eine andere stationäre Apotheke in irgendeiner Antwort. Die Bühne gehört DocMorris, Shop Apotheke, ApoDiscounter, Aponeo. Interessant: ChatGPT beschreibt sogar eine eigene Kategorie „Hybride Apotheken mit WhatsApp, Botendienst, CardLink, Livechat" – also genau MAXMO – ohne uns namentlich zu nennen. Wir besetzen die Kategorie inhaltlich, aber nicht namentlich. Das ist eine strategische Lücke, die ich nicht erwartet hätte.
Was Apotheken jetzt konkret tun müssen
Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich für jede Apotheke konkrete Maßnahmen. Ich habe sie nach Dringlichkeit sortiert und versuche, mit drei Sätzen pro Punkt auszukommen.
Sofort umsetzen (Sichtbarkeits-Lücken schließen)
- Eigene Landingpages für jeden hochmargigen Service. Eine Seite pro Leistung – nicht ein Sammeleintrag „weitere Services". Mit klarem URL-Slug, eindeutiger H1, FAQ-Block, Ablauf-Beschreibung. Bei uns betraf das vor allem die DNA-Analyse, die in keiner einzigen KI-Antwort vorkam, obwohl es den Service gibt.
- Spezialisten-Positionierung statt Generalisten-Listung. Wer Cannabis anbietet, muss sich nicht als „Apotheke, die auch Cannabis hat" beschreiben, sondern als spezialisierter Anbieter mit Erfahrungsbasis. Konkret: Anzahl betreuter Patienten, Sortimentsbreite, Beratungstiefe, Indikationen. Diese Sprache übernimmt die KI direkt.
- Service-Hub für laborgestützte Tests. Wer Blutuntersuchungen anbietet, sollte für jeden Test eine eigene Seite haben: Vitamin D, Hormonstatus, Mikronährstoffe, Stoffwechsel. Mit Erklärung, Ablauf, Kosten, Indikationen. Generische „Wir machen Bluttests"-Seiten werden von KI nicht differenziert wahrgenommen.
Technische Grundlagen (1–2 Wochen)
- Schema.org strukturierte Daten implementieren. Pharmacy als Basis. MedicalService für jede Leistung. FAQPage für jeden Frageblock. Person-Schema für Apothekenleitung. KI-Systeme parsen strukturiertes Markup deutlich besser als reinen Fließtext.
- FAQ-Blöcke auf jeder Service-Seite. Mit den Fragen, die Patienten tatsächlich stellen – nicht den Fragen, die ein SEO-Tool vorschlägt. „Brauche ich für eine DNA-Analyse ein Rezept?", „Wie schnell habe ich das Ergebnis?", „Was kostet die Hormondiagnostik?". Konkrete Antworten, drei bis fünf Sätze.
- Adress- und Stammdaten-Konsistenz prüfen. Bei unserem Test zog Perplexity eine andere Adresse als die offizielle. Das passiert, wenn an verschiedenen Stellen im Web unterschiedliche Daten zur Apotheke existieren. Einmal alle Branchenverzeichnisse durchgehen und konsolidieren.
- Person-Schema für die Apothekenleitung. Wer ist der Inhaber? Wofür steht er fachlich? Welche Publikationen hat er? Das ist ein Autoritätssignal, das KI-Systeme zunehmend gewichten. Authority-Signale entstehen durch belegbare Expertise, nicht durch Selbstbeschreibungen.
Strategisch aufbauen (laufend)
- Externe Erwähnungen mit Service-Detail aufbauen. Wenn Branchenverzeichnisse, Fachpublikationen oder Patienteninitiativen die Apotheke mit konkreten Services beschreiben, ist das Gold für KI. Diese externe Bestätigung trainiert die Modelle. Konkret: PR-Arbeit mit pharmazeutischen Fachmedien, Listings in Special-Interest-Verzeichnissen.
- 24/7-Beratung als eigenständige Brand-Story. Wer eine Online-Beratung anbietet, sollte sie auch namentlich beschreiben und positionieren. Bei uns hat ChatGPT die Verbindung MAXMO – FRAG DIE APOTHEKE erkannt. Dieser Effekt entsteht nur, wenn man konsequent darüber spricht.
- Service-Kategorisierung an KI-Logik anpassen. ChatGPT hat unsere Leistungen in „Digitale Services", „Cannabisversorgung", „Spezialisierte Tests" geclustert. Diese Sprache wieder auf die eigene Website zurückspielen. So entsteht ein Verstärkungs-Effekt.
- Authentische Patienten-Stimmen dokumentieren. Anonymisierte Erfahrungswerte, Beispielfälle, typische Beratungssituationen. KI bevorzugt Inhalte, die zeigen, dass die Praxis hinter den Worten steht. Datenschutz ist hier nicht verhandelbar, aber mit DSGVO-konformer Aufbereitung sind solche Inhalte möglich.
- Konkrete Q&A-Inhalte statt SEO-Texte. Patienten googeln keine Keywords. Sie stellen Fragen. „Kann ich Cannabis mit meinem Blutverdünner kombinieren?" ist ein realer Suchbegriff geworden. Wer für solche Fragen klare, fachlich belastbare Antworten dokumentiert, wird von KI direkt zitiert.
Was die Apothekenleitung daraus ableiten sollte
Die ehrliche Lehre aus diesem Test ist nicht „wir brauchen mehr Marketing". Sondern: Wir müssen unsere Inhalte so strukturieren, dass Maschinen sie verstehen. Patienten lesen Marketingtexte selten. KI-Systeme lesen sie als erstes – und entscheiden danach, ob deine Apotheke in der Antwort vorkommt oder nicht.
Das hat nichts mit Tricks zu tun. Es hat damit zu tun, dass eine Apotheke ihre tatsächliche Expertise so dokumentieren muss, dass ein Sprachmodell die Inhalte sauber extrahieren kann. Eine Service-Seite mit klarer Struktur, FAQ-Block und konkretem Ablauf ist kein SEO-Hack. Sie ist eine Investition in die Übersetzung deiner Fachlichkeit in eine Sprache, die KI-Systeme verarbeiten können.
Für MAXMO bedeuten die Ergebnisse: Wir haben eine sehr gute Basis in der lokalen Sichtbarkeit, dort wo wir konsequent strukturiert gearbeitet haben (zum Beispiel beim Cannabis-Landingpage-Konzept). Wir haben eine klare Lücke beim Service, der eigentlich am stärksten differenziert (DNA-Analyse). Und wir haben strategischen Aufholbedarf bei der bundesweiten Positionierung. Diese drei Erkenntnisse hätten wir ohne Praxistest nicht so präzise formulieren können.
Die strategische Konsequenz
Wer heute als Apotheke startet, ein KI-Sichtbarkeits-Profil aufzubauen, hat in zwölf Monaten einen messbaren Vorsprung. Nicht weil die Modelle dann andere sind, sondern weil sie Zeit brauchen, neue Inhalte zu integrieren. Die Apotheken, die ihre DNA-Analyse-Landingpage heute online stellen, werden in einem Jahr in der relevanten KI-Antwort auftauchen. Wer wartet, übergibt diese Position der nächsten Apotheke.
Mein Vorschlag ist konkret und unromantisch: Wählen Sie eine Spezialleistung, die in keiner KI-Antwort zu Ihrer Apotheke auftaucht. Bauen Sie dafür eine eigene strukturierte Landingpage. Implementieren Sie Schema.org. Setzen Sie einen FAQ-Block mit fünf bis sieben realen Patientenfragen. Und prüfen Sie nach drei Monaten erneut, ob die KI das wahrgenommen hat. Das ist kein großes Marketingprojekt. Das ist ein Nachmittag Arbeit pro Service.
Anfangen ist auch hier das Entscheidende.
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